Wolf und Giraffe
Wolf vs. Giraffe: Welche Sprache sprichst du?
Im letzten Beitrag haben wir gelernt, dass GFK die „Sprache des Herzens“ ist. Um den Unterschied zwischen unserer gewohnten Art zu kommunizieren und der GFK zu verdeutlichen, nutzte Marshall Rosenberg zwei Symbole: den Wolf und die Giraffe.
Diese Tiere sind keine Schubladen für Menschen, sondern Symbole für verschiedene Arten zu sprechen und zu denken.
Der Wolf: Kampf um Recht und Unrecht
Der Wolf steht für die Art der Kommunikation, die wir meist von klein auf gelernt haben. Er ist nicht „böse“, aber er ist oft verzweifelt. Er glaubt, er müsse beißen, um gehört zu werden.
- Die Perspektive: Der Wolf schaut darauf, wer „schuld“ ist, was „falsch“ läuft und wer eine Strafe verdient hat.
- Die Sprache: Er nutzt Interpretationen, Bewertungen und Diagnosen. „Du bist unzuverlässig“, „Das macht man nicht“ oder „Immer musst du...“.
- Das Ziel: Recht haben, gewinnen oder den anderen klein machen, um sich selbst zu schützen.
Die Giraffe: Weitblick und Herzlichkeit
Warum ausgerechnet eine Giraffe? Sie ist das Landwirbeltier mit dem größten Herzen und hat durch ihren langen Hals einen weiten Überblick. Sie steht über den Dingen, ohne herabzuschauen.
- Die Perspektive: Die Giraffe schaut hinter die Fassade. Sie fragt: „Was fühlst du?“ und „Was brauchst du?“.
- Die Sprache: Sie spricht in Beobachtungen, Gefühlen und Bedürfnissen. Sie trennt die Handlung einer Person von deren Wert als Mensch.
- Das Ziel: Verbindung herstellen. Sie weiß, dass wir erst dann tragfähige Lösungen finden, wenn wir uns gegenseitig verstehen.
Warum wir alle „Wölfe mit Giraffenohren“ werden können
Wichtig ist: Wir alle haben einen inneren Wolf. Er meldet sich, wenn wir gestresst, verletzt oder überfordert sind. Die GFK möchte den Wolf nicht einsperren oder töten. Sie lehrt uns, dem Wolf „Giraffenohren“ aufzusetzen.
Wenn uns jemand mit einem Vorwurf angreift („Du hörst mir nie zu!“), hört der Wolf: „Ich bin ein schlechter Partner.“ Die Giraffe hört: „Oh, da ist jemand gerade sehr einsam und braucht Aufmerksamkeit.“
Merksatz: Jeder Vorwurf, jede Kritik und jeder Angriff ist eigentlich ein tragischer Ausdruck eines unerfüllten Bedürfnisses.
Deine Übung für heute
Wenn dich heute jemand kritisiert oder wenn du merkst, dass du selbst über jemanden urteilst: Halte kurz inne. Versuche, die „Wolfsmaske“ für einen Moment abzunehmen und zu fragen: Welches Bedürfnis steckt wohl dahinter?
Im nächsten Beitrag schauen wir uns das Werkzeug an, mit dem wir die Giraffensprache konkret anwenden: Die 4 Schritte der GFK.
Wie fühlt es sich für dich an, wenn du an deinen „inneren Wolf“ denkst? Darf er da sein, oder versuchst du ihn oft zu unterdrücken?
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